LSC Chargen, MHD und Spezialszenarien
Zweck
Diese Seite beschreibt die LSC-Prozesse für Chargen- und Ablaufdatum-Verwaltung, Inventur sowie spezielle Betriebsszenarien wie Lohnbearbeitung und Rückabwicklung.
Chargen- und Ablaufdatum-Verwaltung (MHD-Logik)
Die Chargen- und MHD-Verwaltung ist essentiell für Branchen wie Lebensmittel, Pharma und Chemie. LSC bietet durchgängige Verfolgung über alle Prozessstufen.
Überblick Chargen- und MHD-Prozess
graph LR;
%% Nodes
S(["Chargen- und MHD-Prozess"])
subgraph Eingang["Wareneingang und QS"]
direction TB
A["Lieferant sendet Material<br/>mit Charge und MHD"]
B["Wareneingang prüft<br/>Charge und MHD"]
C{"Charge<br/>lesbar?"}
D["Charge und MHD<br/>im System erfassen"]
E["QS-Abweichung<br/>dokumentieren"]
F["Lieferant kontaktieren<br/>oder Rückgabe auslösen"]
end
subgraph Versand["Lager, Versand und Nachweis"]
direction TB
G["Material im Lager<br/>mit Charge verfügbar"]
H["Packstück nach FEFO<br/>und MHD auswählen"]
I["Versand mit Charge<br/>und MHD buchen"]
J["Charge bei Reklamation<br/>zurückverfolgen"]
end
%% Flow
S ==> A
A ==> B
B ==> C
C ==>|Ja| D
C ==>|Nein| E
E ==> F
D ==> G
G ==> H
H ==> I
I ==> J
%% Classes
class S btProcessTitle
class A btProcessExternal
class B,C,D,E,F,G,H,I,J btProcessActive
Chargen-Stammdaten und Konfiguration
| Feld | Beschreibung | Beispiel | Einfluss |
|---|---|---|---|
| Chargenpflicht aktivieren | Artikel ist chargengeführt | Ja / Nein | Wareneingang erfordert Chargennummer |
| Ablaufdatum-Tracking | MHD-Verwaltung aktiviert | Ja / Nein | Verfallsdatum wird überwacht |
| Haltbarkeitsdauer | Wie lange ab Produktion gültig | 24 Monate | Ablaufdatum-Berechnung |
| FEFO-Toleranzbereich | Erlaubt MHD-Abweichung | ±5 Tage | Kommissionierungs-Flexibilität |
| Mindestlagerdauer | Mindestalter vor Versand | 1 Monat | Verhindert zu frische Ware |
| Kernablauf-Warnung | Warnung bei nahender Verfallsfrist | 30 Tage | Prävention Altbestand |
Schritt 1: Chargennummer im Wareneingang erfassen
Im Wareneingang-Prozess (siehe Kapitel “Wareneingang und QS”):
-
Packstück anlegen mit folgenden Feldern:
- Packstück-Nummer: System-generiert.
- Artikel-Nummer: Der eingehende Artikel.
- Chargennummer: Von Lieferschein abgelesen oder gescannt.
- Ablaufdatum: Von Etikett abgelesen.
-
Validierung:
- Chargennummer eindeutig lesbar?
- Ablaufdatum gültig (nicht überschritten)?
- Chargennummer im erwarteten Format?
-
Datenerfassung im System:
Wareneingangsbeleg WE-001/2024:
├── Packstück 101
│ ├── Artikel: 1000-00001 (Stahlrohr)
│ ├── Menge: 25 Stück
│ ├── Chargennummer: C-2024-00001
│ ├── Ablaufdatum: 2026-02-15
│ └── Lagerdatum: 2024-02-01
├── Packstück 102
│ ├── Artikel: 1000-00001
│ ├── Menge: 25 Stück
│ ├── Chargennummer: C-2024-00002
│ ├── Ablaufdatum: 2026-03-20
│ └── Lagerdatum: 2024-02-01
Fehlerfall: Chargennummer nicht lesbar
- Dokumentieren Sie im QS-Kommentar.
- Versuchen Sie alternative Informationsquellen (Lieferschein, Zertifikat).
- Wenn unmöglich: Lieferant kontaktieren für Ersatz-Dokumentation oder Rückgabe.
Schritt 2: Chargennummer in Produktion verwenden
Wenn Material in Produktion verarbeitet wird (siehe Kapitel “Produktion”):
-
Komponenten-Chargen tracken:
- Welche Chargen gingen in die Produktion?
- Welche Abfallquoten pro Charge?
-
Erzeugnis mit neuer Chargennummer:
- Neue Chargennummer für Erzeugnis definieren (z.B. FA-2024-0001).
- Oder: Komponenten-Chargen kombinieren?
- Ablaufdatum des Erzeugnisses berechnen.
Beispiel: Commingling von Chargen
Komponenten in Produktion:
├── 100 ST aus Charge C-2024-00001 (MHD: 2026-02-15)
├── 100 ST aus Charge C-2024-00002 (MHD: 2026-03-20)
└── Mischprodukt: 200 ST
Erzeugnis-Chargennummer: Neue Charge C-PROD-2024-0001
Ablaufdatum Erzeugnis: FEFO-Regel: Nächstes MHD der Komponenten = 2026-02-15
Schritt 3: FEFO-Auswahl bei Kommissionierung
Bei Versand müssen Packstücke nach Ablaufdatum ausgewählt werden (FEFO = First Expired First Out):
-
System schlägt Packstücke vor:
- Nächstes Ablaufdatum zuerst.
- In Toleranzbereich (±5 Tage) flexible Auswahl.
-
Kommissionierverfolgung:
Kundenbestellung: 100 ST Artikel 1000-00001
Verfügbare Packstücke im Lager:
├── Packstück 101: MHD 2026-02-15 (Priorität 1 - kommissionieren)
├── Packstück 102: MHD 2026-03-20 (Priorität 2)
└── Packstück 103: MHD 2026-05-10 (nicht relevant)
Kommissioniervorschlag:
├── Packstück 101 vollständig (25 ST)
├── Packstück 102 teilweise (75 ST)
└── Total: 100 ST
- Warnung bei Abweichung:
- Falls Packstück außerhalb Toleranzbereich: System warnt.
- Benutzer kann begründet überschreiben (mit Dokumentation).
Tabelle: FEFO-Szenarios
| Szenario | Ablaufdatum-Situation | Aktion |
|---|---|---|
| Ideal | Junge und alte Chargen verfügbar | FEFO-Auswahl: Alten zuerst |
| Eng-Fenster | Alle Chargen ähnliches MHD (±2 Tage) | Beliebige Auswahl möglich, keine Warnung |
| Kritisch | Alle Packstücke kurz vor Verfallsdatum | Schnell kommissionieren, Alert an Lagerleiter |
| Ablauf-Risiko | Einzelne Packstücke überschritten MHD | Auf Sperrplatz, nicht kommissionierbar |
Schritt 4: Chargennummer in Versanddokumentation
Beim Versand muss Chargennummer dokumentiert sein:
- Versandetikett: Chargennummer und Ablaufdatum drucken.
- Lieferschein: Alle versendeten Chargen auflisten.
- EDI-Nachricht: Chargennummer an Kunden übermitteln.
Beispiel Versandetikett:
┌─────────────────────────────────┐
│ Artikel: 1000-00001 │
│ Menge: 75 Stück │
│ Chargennummer: C-2024-00001 │
│ Ablaufdatum: 2026-02-15 │
│ Verpackung: Karton 1/2 │
└─────────────────────────────────┘
Ablaufdatum-Management und Verfallskontrolle
Ablaufdatum-Berechnung
Standard-Berechnung:
Ablaufdatum = Eingangsdatum + Haltbarkeitsdauer
Beispiel:
├── Eingangsdatum: 2024-02-01
├── Haltbarkeitsdauer: 24 Monate
├── Ablaufdatum: 2026-02-01 (auto-berechnet)
Besonderheiten:
| Situation | Berechnung | Beispiel |
|---|---|---|
| Lieferant gibt MHD vor | MHD direkt übernehmen | MHD vom Label: 2026-03-15 |
| Verfallsdatum mit Tagen | Eingangsdatum + Tage | 60 Tage: 2024-02-01 + 60 = 2024-04-01 |
| Verfallsdatum mit Monaten | Eingangsdatum + Monate | 12 Monate: 2024-02-01 + 12 = 2025-02-01 |
| Verfallsdatum mit Jahren | Eingangsdatum + Jahre | 2 Jahre: 2024-02-01 + 2 Jahre = 2026-02-01 |
Verfallskontrolle und Alerts
System überwacht kontinuierlich:
| Alert | Bedingung | Aktion |
|---|---|---|
| Kein Alert | Mindestens 30 Tage bis MHD | Normales Management |
| Warnung | 7–30 Tage bis MHD | “Diese Charge läuft bald ab” |
| Kritisch | 0–7 Tage bis MHD | “Priorität: Sofort kommissionieren” |
| Überschritten | Ablaufdatum < Heute | “Gesperrt: Nicht kommissionierbar” |
Im System sichtbar:
Packstück-Übersicht:
├── Packstück 101 ✓ Norm (noch 180 Tage)
├── Packstück 102 ⚠️ Warnung (noch 15 Tage)
├── Packstück 103 🔴 Kritisch (noch 3 Tage)
└── Packstück 104 ✗ Gesperrt (überschritten)
Verbrauch abgelaufener Ware
Fall 1: Ware ist abgelaufen
- Packstück wird automatisch auf Sperrplatz umgelagert.
- Kommissionierung blockiert.
- Optionen:
- Rückgabe an Lieferant: Wenn noch im Rückgaberecht.
- Verschrottung: Dokumentieren, ggf. mit Schrott-Gutschrift.
- Sonderabschreibung: In Verbrauchte Gescenarios (z.B. Musterteilungen).
Fall 2: Ware kurz vor Ablauf (z.B. noch 5 Tage)
- System warnt bei Kommissionierung.
- Kommissionierung möglich, aber mit Begründung.
- Kundentypen berücksichtigen:
- Normalkunde: Hat genug Zeit zum Verbrauchen.
- Spezialkunde (z.B. Klinik): Kann nur Ware mit längeren MHD akzeptieren.
Kontrollwerkzeug: Chargen-Report
Chargen-Bestandsbericht (Stichtag 2024-02-10):
├── Chargen mit > 30 Tagen: 45 Packstücke (Normal)
├── Chargen mit 7-30 Tagen: 8 Packstücke (Warnung – Vorrang)
├── Chargen mit 0-7 Tagen: 2 Packstücke (Kritisch)
└── Chargen überschritten: 1 Packstück (Sofort handeln)
Inventur in LSC
Die LSC-Inventur ergänzt die Standard-BC-Inventur um packstückbezogene Konsistenzprüfungen.
Vorbereitung: Packstück-Aktivitäten bereinigen
Wichtig: Vor Inventur müssen offene Packstück-Aktivitäten abgeschlossen sein.
Prüfpunkte:
-
Offene Wareneingangs-Aktivitäten:
- Alle Packstücke von WE in Zielplatz eingelagert?
- Keine Packstücke in “Übergangs”-Status?
-
Offene Kommissionierungs-Aktivitäten:
- Alle kommissionierten Packstücke am Verpackungsplatz?
- Keine Packstücke mit Status “In Transit”?
-
Offene QS-Aktivitäten:
- QS-Entscheidungen geklärt (OK / NOK)?
- Keine blockierten Packstücke?
Bereinigung vor Inventur:
├── Offene WE-Aktivitäten: 0
├── Offene Kommissionierungs-Aktivitäten: 0
├── Offene QS-Aktivitäten: 0
├── Offene Umlagerungs-Aktivitäten: 0
└── Status: Bereit für Inventur
Inventurdurchführung
-
Inventurbeleg anlegen:
- Lagerort wählen.
- Stichtag definieren.
-
Physische Zählung:
- Packstück-Nummer scannen oder manuell eingeben.
- Tatsächliche Menge erfassen.
- Chargennummer und MHD überprüfen.
-
System-Vergleich:
- Soll-Bestand (vom System) vs. Ist-Bestand (gezählt).
- Differenzen markieren und dokumentieren.
Differenzen auflösen
| Ursache | Beispiel | Auflösung |
|---|---|---|
| Erfassungsfehler | Packstück-Nummer falsch gescannt | Erneute Zählung an Platz |
| Aktivitäts-Fehler | Packstück wurde bewegt, aber nicht im System | Nachträgliche Aktivität erfassen |
| Chargen-Verwechslung | Chargennummer im System falsch | Chargennummer korrigieren |
| Physischer Schaden | Packstück beschädigt/verloren | Mit Schadensfall-Dokumentation abschreiben |
| Überlagerer Bestand | Packstück später gefunden | Nachträgliche Lagerbuchung |
Spezialszenarien
Szenario 1: Lohnbearbeitung (Fremdbearbeitung)
Material wird an externen Dienstleister (Lohnfertiger) gegeben.
Prozess:
- Materialabgabe: Packstücke aus Lager ausgeben.
- Fremdbearbeitung: Material ist extern bearbeitet.
- Materialrückkehr: Bearbeitetes Material zurück mit neuer Chargennummer.
- Einlagerung: Als neue Packstücke einlagern.
Besonderheiten:
- Ausgabe-Packstücke werden als “In Bearbeitung” markiert.
- Chargennummern können sich ändern (neue Chargennummer für bearbeitetes Material).
- Kosten/Gebühren separat erfassen.
Szenario 2: Storno und Rückabwicklung
Wenn ein Warenausgangs- oder Wareneingangsbeleg storniert werden muss:
Prüfchecklist:
- Sind Folgebelege bereits gebucht?
- Sind abhängige Aktivitäten abgeschlossen?
- Sind Packstücke bereits kommissioniert?
- Ist Lagerbuchung irreversibel?
Storno-Optionen:
| Option | Beispiel | Folgen |
|---|---|---|
| Vor Buchung stornieren | WE vor Buchung gelöscht | Keine Lagerwirkung |
| Nach Buchung stornieren | WE gebucht, dann storniert | Lagerbuchung rückgängig, neue Buchung erforderlich |
| Teilstorno | Nur einzelne Packstücke rückgängig | Andere Packstücke bleiben gebucht |
Kontrollschritte und Checkliste
Chargen- und MHD-Management:
- Chargennummern vollständig erfasst: Alle Packstücke haben gültige Chargennummer.
- Ablaufdatum aktuell: MHD-Informationen sind am neuesten Stand.
- FEFO-Logik aktiv: Kommissionierung folgt Ablaufdatum-Reihenfolge.
- Verfallsdatum-Alerts geprüft: Kritische Chargen identifiziert.
- Versanddokumentation: Chargennummern korrekt auf Etikett und Lieferschein.
Inventur-Management:
- Aktivitäten bereinigt: Keine offenen Packstück-Aktivitäten.
- Lagerplätze zugänglich: Alle Zonen können gezählt werden.
- Differenzen dokumentiert: Alle Abweichungen begründet.
- Chargenzuordnung korrekt: Chargennummern stimmen mit physischer Ware.
Häufig gestellte Fragen
F: Kann ich ein abgelaufenes Packstück trotzdem kommissionieren? A: Nein, Abgelaufene Packstücke werden automatisch gesperrt. Ausnahme: Mit Operator-Überschreibung und Dokumentation (z.B. für Entsorgung).
F: Was tun, wenn Chargennummer vom Lieferanten nicht lesbar ist? A: Dokumentieren Sie dies im QS-Kommentar. Kontaktieren Sie Lieferanten für Ersatz-Dokumentation. Wenn nicht möglich, Material möglicherweise zurückweisen.
F: Wie viele verschiedene Chargen kann ich in einem Kommissionierauftrag mixe? A: Technisch unbegrenzt, aber FEFO-Regel sollte eingehalten werden. Kundenspezifische Vorgaben können Mischungen limitieren.
F: Kann ich zwei Chargen mit unterschiedlichem MHD mischen in einem Karton? A: Technisch ja, aber nicht empfohlen. Das kürzere MHD wird zum Karton-MHD. Besser: Separat verpacken.
F: Wie lange vor Ablauf sollte ich ein Packstück reservieren? A: Standard: 7–30 Tage Vorwarnzeit. Kundenabhängig (z.B. Kliniken brauchen längere Haltbarkeit). Im Setup konfigurierbar.
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