EDI-Einrichtung und Partnerpflege
Zweck
Diese Seite vertieft die EDI-Schnittstelle um die konkrete Einrichtung von Übertragungsart, Nummernserien, Partnern, Partnerzeilen, Nachrichtenarten und Feldverarbeitung. Sie ergänzt die EDI-Übersichtsseite um die Felder und Projektentscheidungen, die in der Alt-Wiki-Dokumentation detailliert beschrieben waren.
EDI Setup strukturiert aufbauen
Die Grundeinrichtung erfolgt in mehreren Registern. Arbeiten Sie diese nicht parallel, sondern in einer festen Reihenfolge ab.
- Reiter Allgemein festlegen.
- Nummernserien vollständig zuordnen.
- Passende Übertragungsart wählen und nur den dazugehörigen Technikreiter pflegen.
- Erst danach Partner, Partnerzeilen und Nachrichtenarten anlegen.
Reiter Allgemein
| Feld | Bedeutung | Prüffrage |
|---|---|---|
| Schnittstelle aktiviert | schaltet die EDI-Verarbeitung produktiv frei | Ist der Mandant fachlich wirklich bereit? |
| Standard-Übertragungsart | Dateibasiert, Web-Schnittstelle oder Azure Dateifreigabe | Passt die Technik zum Betriebsmodell? |
| Obligatorische Informationen | erzwingt globale Handelsinformationen wie GLN | Sind die Stammdaten vollständig genug? |
| Nachrichten archivieren | sichert eingehende und ausgehende Dateien | Brauchen Sie revisionsfähige Nachweise im Projekt? |
| Art und Gruppierung der Archivierung | ordnet das Archiv nach Tag, Woche oder Monat | Passt die Struktur zur späteren Fehlersuche? |
Reiter Nummerierung
Nummernserien sind keine Formalität. Fehlen sie, scheitert häufig nicht der Beleg selbst, sondern die technische Zuordnung oder spätere Rückverfolgung.
Mindestens diese Nummernkreise sollten vor dem ersten End-to-End-Test geprüft werden:
- Partnernummern
- eingehende Verkaufsaufträge
- eingehende Verkaufs- und Einkaufsrechnungen
- eingehende Einkaufslieferungen
- ausgehende Verkaufsaufträge, Rechnungen und Gutschriften
- ausgehende Einkaufsbestellungen
Technische Reiter je Übertragungsart
Dateibasiert
Der dateibasierte Weg ist in älteren oder On-Prem-nahen Szenarien relevant. Hier müssen Eingangs- und Ausgangsverzeichnisse, Archive, Fehlerbehandlung und Anzahl der Verarbeitungsversuche gepflegt werden.
Web-Schnittstelle
Für Web-Service-Szenarien definieren Sie Provider, Basis-URL, Timeout, Sendepfad, Empfangspfad, Callback-Pfad sowie Authentifizierungsdaten. Die Alt-Dokumentation nennt insbesondere ecosio und Eddyson als typische Dienstleister.
Prüfen Sie bei Web-Anbindungen zusätzlich:
- Test- und Live-URL nicht vertauschen
- Timeout realistisch setzen
- Benutzer-ID, Passwort, App-Key und Company-ID projektseitig abstimmen
- in Sandbox-Umgebungen eventuelle App-Berechtigungen für ausgehende Kommunikation kontrollieren
Azure Dateifreigabe
Für Azure File Share benötigen Sie Kontonamen, Zugriffsschlüssel und getrennte URLs für Input, Output sowie Ein- und Ausgangsarchiv. Legen Sie die Verzeichnisstruktur vor dem ersten Test vollständig an, statt sie erst im Fehlerfall nachzuziehen.
EDI-Partner sauber anlegen
Ein EDI-Partner verbindet die Stammdaten in Business Central mit der tatsächlichen Nachrichtenlogik. Besonders wichtig sind:
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| Partnerart | typischerweise Debitor oder Kreditor |
| Partnernr. | Referenz auf den Stammdatensatz |
| Partner ID | eindeutige Kennung des EDI-Partners |
| Unsere Sendernr. | eigene Kennung für ausgehende Nachrichten |
| Übertragungsart | kann globales Setup überschreiben |
| Automotive | kennzeichnet die Nutzung im Automotive-Kontext |
Im Parameterbereich kommen zusätzlich Sender- und Empfängernummern, Unterlieferantennummern, Mailboxen, Odette-IDs oder Codezusätze hinzu. Diese Felder sind nicht überall Pflicht, aber je nach Nachrichtenart oder OEM-Verfahren geschäftskritisch.
Partnerzeilen als eigentliche Prozesssteuerung
Für jeden Partner können mehrere Partnerzeilen gepflegt werden. In der Praxis entspricht eine Zeile meist einer Kombination aus Nachrichtenart und Richtung.
Besonders relevant sind:
- Aktiv
- Richtung
- Nachrichtenartencode
- Dokument erzeugen
- Automatische Weiterverarbeitung oder Senden
- Sende Nachricht
- Nachricht Dateiname
- Dateierweiterung
- Nachrichtenverzeichnis oder Archivverzeichnis
- Leitfäden für Lieferschein-, Rechnungs- oder Eingangs-DFÜ
Merksatz: Die Partnerkarte beschreibt den Kommunikationspartner. Die Partnerzeile entscheidet, was technisch und fachlich mit einer konkreten Nachrichtenart geschieht.
Nachrichtenarten und Leitfäden
Nachrichtenarten definieren Richtung, Format, VDA-Satzart und Verarbeitungslogik. Standardnachrichtenarten sollten möglichst über die vorgesehene Funktion erzeugt werden, statt alles manuell nachzubauen.
Die klassische VDA-Zuordnung aus der Bestandsdokumentation ist:
| Satzart | Nachrichtenart | VDA |
|---|---|---|
| 511 | Lieferabruf | 4905 |
| 551 | Feinabruf | 4915 |
| 711 | Lieferschein-DFÜ | 4913 |
| 811 | Rechnungs-DFÜ | 4906 |
| 821 | Gutschriftsanzeige | 4908 |
Ergänzung aus COMEDI-Schulung: Betriebsablauf in der Nachrichtenabwicklung
Die Schulungsunterlagen präzisieren den operativen Ablauf in der täglichen Verarbeitung. Relevant ist vor allem die feste Reihenfolge je Richtung.
graph LR; %% Nodes A[Nachricht einlesen] B[Nachricht pruefen] C[Nachricht verarbeiten] D[Belegsicht oeffnen] E[Status und Protokoll pruefen] %% Flow A -.- B linkStyle 0 stroke:#ffffff B ==> C C ==> D D ==> E %% Classes class A btProcessTitle class B,C,D,E btProcessActive
Eingehende Nachrichten
- Nachrichten einlesen aus dem konfigurierten Eingangsverzeichnis.
- Bei Bedarf Nachricht prüfen ausführen und Fehler in Letzte Fehlermeldung oder im Protokoll auswerten.
- Nachrichten verarbeiten und erzeugte EDI-Belege kontrollieren.
- In Eingehende Verkaufsbelege fachlich entscheiden: Akzeptieren, Ablehnen oder Zurückstellen.
Ausgehende Nachrichten
- Sicherstellen, dass Partnerzeile und Nachrichtenart aktiv sind.
- Bei fehlender Automatik Nachricht versenden manuell auslösen.
- Danach Aktualisiere Konverter Status nutzen und Rückmeldung prüfen.
- Über Nachricht anzeigen und Protokoll Datei und Verlauf nachvollziehen.
Zusätzliche Prüfpunkte aus der Schulung
- Für dateibasierte Szenarien UNC-Pfade verwenden (zum Beispiel
\\SERVER\EDI\INPUT). - In Partnerzeilen sind für ausgehende Nachrichten Nachricht Dateiname und bei Bedarf ein eigenes Verzeichnis Pflicht.
- Wenn Partnerzeilen-Verzeichnisse leer bleiben, gilt automatisch das globale Verzeichnis aus der EDI-Einrichtung.
- Feldverarbeitung bewusst für Wertumsetzungen verwenden, zum Beispiel Einheit
PCEauf internen BC-CodeST.
Zusätzlich beeinflussen ausgewählte OEM-Leitfäden tatsächlich das Verhalten in der Verarbeitung. Deshalb dürfen Leitfäden wie BMW, Porsche, VW, Daimler oder Jaguar nicht als bloßer Beschriftungstext verstanden werden.
Leitfäden wirken direkt auf den Geschäftsprozess
Die Alt-Dokumentation zeigt klar: Der gewählte Leitfaden steuert nicht nur das Nachrichtenformat, sondern auch Felder, Druckinhalte und Folgeprozesse. Pflegen Sie diese Auswahl deshalb immer gemeinsam mit dem Fachprozess und nicht isoliert in der Technik.
| Leitfaden | Typische Auswirkung im Tagesgeschäft | Vor dem Go-live prüfen |
|---|---|---|
| BMW STARD | BMW AI, Verwendungsschlüssel und weitere Felder fließen in Lieferschein-DFÜ und Begleitdokumente ein; Freigabestatus kann aus Abrufdaten abgeleitet werden. | BMW AI im Verkauf, Verwendungsschlüssel und Frankatur im Transportbeleg |
| Porsche | Zubehör-Ladungsträger werden bevorzugt übertragen; Feinabrufzeiten wirken auf Transportdaten und Zeitscheibenprozesse. | Verbrauchsstelle, Feinabrufzeiten und Eintreffzeit Soll im Transportbeleg |
| VW 4913/4 | YAP beziehungsweise Q-Stand wird in der erweiterten Struktur mitgegeben; Zubehörverpackungen werden priorisiert. | freigegebener Q-Stand und korrekt gepflegte Zubehör-Ladungsträger |
| PSA | Erweiterte VDA-4913-Logik; Packstücknummern entstehen erst im Zusammenspiel von Transportbeleg und Etikettendruck. | Reihenfolge aus Transportbeleg, Labeldruck und Packstückvergabe |
| Daimler | Gewichte und optional RFID-bezogene Informationen werden zusätzlich übertragen. | Artikelgewichte, RFID-Einrichtung und erwartete Zieldaten |
| Jaguar | Packstücknummern werden nicht übertragen; stattdessen sind andere Referenzen im Vordergrund. | Erwartete Referenzfelder des Empfängers und Dokumentlayout |
Weitere Leitfäden wie BMW JIS, Nissan, Bosch oder Lamborghini enthalten ebenfalls projektspezifische Regeln. Halten Sie diese Besonderheiten nicht nur in der Partnereinrichtung, sondern auch in Ihren Testfällen und Go-live-Checklisten fest.
Feldverarbeitung bewusst nutzen
Die Feldverarbeitung erlaubt es, Inhalte aus eingehenden Nachrichten in die im System erwarteten Werte zu übersetzen. Ein typisches Beispiel ist die Umsetzung einer extern übermittelten Einheit wie PCE in den internen BC-Code ST.
Nutzen Sie diese Funktion vor allem dann, wenn:
- Partnerdaten technisch korrekt ankommen, aber nicht zu Ihren internen Codes passen
- eine Nachrichtenart stabil laufen soll, ohne Stammdaten permanent manuell nachzubearbeiten
- projektseitige Sondermapping-Regeln dokumentiert und nachvollziehbar bleiben müssen
Typische Fehlerbilder
| Situation | Mögliche Ursache | Prüfschritt |
|---|---|---|
| Nachricht wird nicht erzeugt oder importiert | Nummernserie oder Partnerzeile unvollständig | Setup und Partnerzeile prüfen |
| Nachricht kommt an, kann aber nicht verarbeitet werden | falsche Nachrichtenart oder fehlender Leitfaden | Nachrichtenartencode und Richtung prüfen |
| Web-Service-Test scheitert | URL, Zugangsdaten oder Timeout unpassend | Web-Service-Parameter vollständig gegenprüfen |
| Azure File Share läuft instabil | Verzeichnisse oder Endpunkt-URLs sind unvollständig | Input-, Output- und Archivpfade prüfen |
| Inhalt ist fachlich falsch übersetzt | Feldverarbeitung oder Partnerparameter fehlen | Vergleichs- und Rückgabewerte kontrollieren |
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